Also, gleich vorne weg zu der Frage,
warum ich mit so einem Auto rumgefahren bin : das ist ganz einfach, das
war mal mein Mietwagen während eines Urlaubs in Mexico. Dort gibt
es nämlich höchstbedauerlicherweise keinen Fiat, keinen Alfa
und keinen Lancia. Und bevor ich mich mit irgendeinem VW abgebe, nehme
ich doch lieber ein unauffälliges No-Name-Auto japanischen Ursprungs.
Japanisch an dem Auto, das wohl
auf dem alten Sunny basiert, sind eigentlich nur die Entwickler. Die Einzelteile
stammen nahezu komplett aus Mexico.
Das Design dieses Wagens ist faszinierend
- faszinierend einfallslos, in diesem Punkt kaum noch zu überbieten.
Bei der Firma Pininfarina in Italien wäre der Designer sicher in hohem
Bogen rausgeflogen.
Bei dem obigen Fahrzeug handelt
es sich dabei auch noch um die absolute Billigversion. Das bedeutet, daß
es sich bei dem rechten Außenspiegel schon um Zusatzausstattung handelt.
Schon Alltäglichenkeiten wie Zigarettenanzünder (nicht, daß
der etwas wichtig wäre) und Dreipunktgurte hinten sind der nicht ganz
so kargen Version GS II vorbehalten. Eine heizbare Heckscheibe gibt es
gar nicht. Beifahrerrinnen beklagen regelmäßig das Fehlen eines
Schminkspiegels in der Sonnenblende.
Das übelste an allem sind
dabei die absolut schäbigsten Materialien im Innenraum, die mir je
begegnet sind. Es fängt an mit einer gräßlichen Farbgebung.
Nicht nur das Amaturenbrett ist grau, sondern auch die Sitzbezüge
und Seitenverkleidungen. Die Sitzbezüge sind aber von so miserabler
Beschaffenheit, daß man schon bei den in Mexico üblichen Außentemperaturen
extrem schnell ins Schwitzen Gerät. Änhliches gilt für das
Lenkrad, dessen Kranz dünn ist, wie in den 50er Jahren üblich
und so glatt, daß man fürchterlich aufpassen muß, daß
das Lenkrad nicht den verschwitzten Händen entgleitet, wenn man um
die Ecke fährt. Jedenfalls sieht man da doch, daß der gute alte
Fiat 128 doch ein hochwertiges Fahrzeug ist. Wer das jetzt nicht glaubt,
der sollte ruhig mal rüber fliegen und Tsuru mieten.
Was ich sonst noch bedenklich finde
ist die Kühlwassermenge von schlappen 4,5 Liter. Zum Vergleich : ein
kleiner 1100er Fire-Motor (aus Uno letzte Serie, Punto 1, Cinque- u. Seicento)
hat schon 4,5 Liter. Der 1050er Motor aus dem Fiat 127 hat 5,5 Liter Kühlwasser
und der 1100er aus dem Fiat 128 hat 6,5Liter. Da weiß ich nicht recht,
ob das so eine tolle Idee ist, ein Auto mit über 100 PS mit so einer
relativkleinen Menge Kühlwasser fahren zu lassen, noch dazu in einem
warmen Land.
Aber nun wider Erwarten noch ein
paar positive Aspekte : Der Wagen ist sehr geräumig. Wenn ich mir
das auf Fahrersitz gemütlich mache, so daß ich daß linke
Bein richtig ausstrecken kann ( was auch schon bei vielen größeren
Autos nicht möglich ist), dann ist auf der Rückbank hinter mir
immer noch eine akzeptable Kniefreiheit verfügbar. So etwas kenne
ich in dieser Fahrzeuggrößenklasse sonst nur von meinem Beta
HPE.
Der Kofferraum ist natürlich
auch groß genug, um reichlich Reisegepäck zu schlucken. Natürlich
paßt keine Waschmaschine rein. Das ist eben der prinzipielle Nachteil
eines Stufenhecks. Bedauerlich ist auch die mangelnde Variabilität,
d.h. die Rückbank läßt sich in keinster Weise umlegen,
es sei denn, man baut sie aus.
Ein sehr erfreuliches Kapitel stellt
der Motor dar. Dessen 105 PS haben keinerlei Schwierigkeiten, die 970 kg
schweren Karosse in Bewegung zu setzen. Es gibt kaum Situationen, in denen
man den Eindruck bekommt, der Motor würde sich quälen, so daß
man sich in dem wilden Verkehr von Mexico-Stadt (dort erkennt man
dann endlich , daß Italiener im Grunde total zivilisierte Autofahrer
sind... ) auch mal schnell durch einen anständigen Spurt aus unübersichtlichen
Situationen verziehen und auf der Landstraße sich so langsam traut,
die oftmals gewagt erscheinenden Überholmanöver der Einheimischen
nachzumachen. Das ganze bekommt man zu sehr vernünftigen Verbrauchswerten.
Überlandfahrten sind mit 6 Litern hinzukriegen und auch im Stadtverkehr
kriegt man den Verbrauch kaum über 8 Liter. Dies bringt der Motor
auch, wenn er sich mit schauderhaftem Benzin von nur 87 Oktan begnügen
muß.
Zusammenfassung :
--- grauenhaft ödes Design
---- schäbige Materialien
im Innenraum, die auch bei Lada, Wartburg und Co. garantiert nicht schlechter
sind
- nicht vorhande Variabilität
des Gepäckraumes
- miminale Serienausstattung
+ auch die minimale Serienausstattung,
denn so gibt es nichts überflüssiges, was Gewicht bringt und
kaputt gehen kann
+ relativ geringer Anschaffungspreis
von 107000,- Pesos (= z.Zt. ca. 11000,- Euro)
+ Platzangebot
++ Fahrleistungen
+++Verbrauch
Technische Daten:
| Länge | 432 cm |
| Breite | 164 cm |
| Höhe | 137 cm |
| Hubraum | 1597 ccm |
| Leistung | 105 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | Werk sagt nichts, Ausfahren ist schwierig in Mexico |
| Elastizität | 11,2 s von 60 - 100 km/h im 4. Gang |
| Verbrauch | 6 - 8 Liter Klingelwasser (Pemex Magna mit 87 Oktan) auf 100 km |
| Tankinhalt | 50 Liter |
| Kofferraumvolumen | knapp 500 Liter |
Fazit : eine recht ungewöhnliche Kombination aus Licht und Schatten wie sie mir vorher auch noch nicht untergekommen ist. Immerhin stimmen die Grundwerte (spritzig, sparsam, geräumig), also zumindest in einem Land, in dem es ohnehin kaum gescheite Autos zu kaufen gibt, nicht die schlechteste Lösung, und außerdem gibt es aus dem Bereich Reisschüsseln noch wesentlich schlimmeres, wie der Beitrag zum Toyota Corolla zeigt.