Nach langer Vorankündigung können wir nun in Zusammenarbeit mit dem Regata-/Argenta-Papst Nord ein weiteres einst gar nicht so seltenes und dennoch inzwischen praktisch vergessenes Fahrzeug präsentieren : den Fiat Regata
Als Nachfolger des auch damals schon etwas betagten Fiat 131 präsentierten die Turiner Autobauer im Jahre 1983 die auf einer verlängerten Ritmo-Plattform basierende Stufenhecklimousine Regata, die später auch als Kombi (Weekend genannt, wie die Kombis von Fiat die nächsten 20 Jahre meistens heißen sollten - merkwürdige Bezeichnung eigentlich, so als könnte man die Ladekapazität unter der Woche nicht nutzen...) erhältlich war, und das mit dem Anspruch, mit diesem Fahrzeug einen Mittelklassewagen anzubieten, was aber hinsichtlich des geräumigen Innenraums gar nicht so abwegig war.
Anfangs standen 4 Benzin- und ein Dieselmotor zur Verfügung.
Standardmotorisierung war ein 1,5-Liter-Motor mit 75 PS, der aus dem Ritmo
stammte. Den gleichen Motor gab es auch mit 82 PS in Verbindung mit einem
Automatikgetriebe. Mit auf knapp 1,3 Liter verkleinertem Hubraum gab noch
die ES-Version mit 65 PS, die auf konsequentes Energiesparen ausgelegt
war. Dazu verhalfen unter anderem die kennfeldgesteuerte elektronische
Zündung vom Typ Digiplex (die sich ab '83 auch im Beta i.e. findet),
eine Schubabschaltung, von der ich vorher nicht wußte, daß
es für Vergaser so etwas gibt, und die sogenannte "Citymatic", eine
Vorrichtung, die beim dummen Rumstehen im Leerlauf automatisch den Motor
abstellt. Ein Tritt auf das Kupplungspedal genügte, um ihn wieder
anzulassen. Vom VW Golf gab es Version mit einem ähnlichen System,
der sogenannte "Schwung-Nutz-Automatik" - allerdings etwa fünf Jahre
später, wenn ich mich recht entsinne.
Das Topmodell erhielt einen 1,6-Liter-Beniner mit 2 Nockenwellen
und 100 PS, wie er auch im Fiat 124, 132/Argenta und im Lancia Beta vorzufinden
ist.
Nach unten rundete das Programm ein 1,7 Liter großer
Diesel mit 58 PS ab, der in sehr ähnlicher Form später noch im
Punto I verbaut wurde. Zwei Jahre später kam ein größerer
Dieselmotor mit 1,9 Liter Hubraum und 65 PS hinzu, dessen Motorblock heute
noch die Basis für die meisten Diesel der Fiat-Modellpalette bildet.
1987 wurde die Modellpalette gründlich überarbeitet.
Der Regata ES verschwand, Schubabschaltung und Digiplex-Zündung wurden
schon in der normalen 75PS-Version zum Standard. Der 75PS-Motor war auch
mit elektronischer Einspritzung erhältlich, aber bedauerlicherweise
nicht, um die Leistung zu steigern oder den Verbrauch zu senken, sondern
um auch noch einen geregelten Katalysator ranzuhängen. Der Motor der
Automatikvariante erlitt eine Leistungseinbuße um 3 auf 79 PS, der
1,6er-Motor erhielt ebenfalls Einspritzung und Kat sowie 10 PS weniger.
Der kleine Dieselmotor entfiel, dafür erhielt der 1,9-Liter-Diesel
eine Version mit Turbolader und 80 PS zur Seite gestellt. Wenig später
erhielt der Regata 100 Einspritzung und Kat und mutierte zum Regata 90
i.e. dessen Kombivariante auf diesen Fotos zu sehen ist.
Generell muß man sagen, daß der Regata ein
für heutige Verhältnisse gemessen an den noch einigermaßen
kompakten Abmessungen ein ziemlich geräumiges Auto handelt. Die 513
Liter Kofferraumvolumen stellen damals wie heute einen Spitzenwert in der
Klasse dar, erst recht die Zuladung der Kombiversion von 635 kg ! Dazu
lassen sich eigentlich alle Regatas mit moderaten bis günstigen Verbrauchswerten
bewegen. Die Kombination des Platzangebotes mit dem günstigen Verbrauch
stellt auch und ganz besonders heutzutage wieder eine rühmliche Ausnahme
dar. Natürlich haben heutige Autos mit vergleichbaren Leistungen oft
günstigere Verbräuche, aber dabei handelt es sich meist um Kleinwagen,
die demzufolge kein vergleichbares Platzangebot besitzen, während
heutige Mittelklassewagen zwar den Platz, aber dafür, wenn man sich
nicht gerade für einen Diesel entscheidet, haben sie höhere Motorleistungen,
die sie wegen ihrer enormen Gewichte auch brauchen, welche natürlich
wieder höhere Verbräuche mit sich bringen. Die Leergewichte des
Regata entsprechen in etwa denen heutiger Kleinwagen, womit sich der Umstand
des relativ geräumigen Autos, das relativ wenig Benzin verbraucht,
ziemlich einleuchtend erklärt.
Damit kommen wir zum nächsten Punkt, nämlich
der Ursache der heutigen Seltenheit des Regata, trotz des Umstandes, daß
es eigentlich ein recht vernünftiges Auto ist. Genau dies ist die
Ursache : der Regata ist eigentlich nur vernünftig und sonst gar nichts.
Es gibt ihn eben nur als zwar nicht unelegante, aber doch eher relativ
biedere Limousine und Kombi. Sportliche Versionen fehlen völlig. Das
Beispiel des Lancia Beta verdeutlicht das Problem recht anschaulich : die
normale Limousine und deren Stufenheckversion Trevi sind fast völlig
ausgestorben. Was man vom Beta meist sieht, das sind Coupé, HPE
und Spider. Beim Regata fehlen die sportlichen Karosserievarianten völlig.
Vom Vorgänger, dem 131er, gab es wenigstens noch infolge diverser
Rallye-Einsätze entsprechend heiße Straßenversionen, die
nun ihre Liebhaber gefunden haben. Dem Regata fehlt dies alles völlig,
was leider das Interesse an dem Wagen in Grenzen hält und dem Überleben
dieses Modells natürlich wenig förderlich ist.
Nun noch etwas zum Gucken, nämlich ein Prospekt des Regata von 1985:
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