Lancia Beta HPE i.e.

Dieser hübsche Wagen stellt meine neueste Erwerbung dar. Von der Form her ist die Ähnlichkeit zum 128 3p recht stark, aber alles ist etwas größer. Steuern und Versicherung sind auch etwas teurer. Auch der Benzinverbrauch ist ein wenig höher, dafür ist dann aber der Fertanverbrauch deutlich geringer.
Die Länge ist dabei auch soweit ausreichend, daß man bei umgelegter Rückbank es sich im Heck des Wagens liegenderweise gemütlich machen kann. Da  kann man schon mal das Geld für die eine oder andere Übernachtung sparen. Somit relativieren sich auch die Kosten etwas :)
Generell würde ich zu dem Thema Kosten sagen, daß man sich einfach mal überlegen sollte, was man für einen vergleichbaren Neuwagen (falls es das denn überhaupt gibt, evtl. Alfa Sportwagon o.ä.) bezahlen muß. Dafür könnte man locker zwei Betas restaurieren, da würde sicher noch etwas übrigbleiben.

Technische Daten :

Beschleunigungsprobleme kennt man mit diesem Wagen überhaupt nicht. Auch die Kasseler Berge aufwärts im 5. Gang kann man noch gut beschleunigen. Dies sollte bei so einer Motorleistung eigentlich selbstverständlich sein. Bei vielen modernen Autos ist es jedoch so, daß ein Motor mit Vierventiltechnik, der sein gutes Drehmoment eher in höheren Drehzahlbereichen hat mit einem lang übersetzten Getriebe verbunden wird, das die Drehzahl schön aus diesem optimalen Bereich heraushält, so daß man im normalen Fahrbetrieb wenig davon merkt, daß man es mit einem auf dem Papier starken Motor zu tun hat. Das ist beim Beta zum Glück ganz anders. Beim Beta bekommt man alles was drauf steht auch auf die Straße.

Man findet im Netz hin und wieder so böse Gerüchte, daß diese Wagen furchtbar durstig und furchtbar laut wären. Vielleicht mag das mit dem Durst für die Vergasermotoren und das mit dem Lärm für die älteren Serien zutreffen, aber was bei meinem Wagen den Verbrauch betrifft, so genehmigt er sich halt so viel, wie es ähnlich motorisierte moderne Autos immer noch tun (s.o.) Was den Lärm betrifft...nun ja, ab 150 wird er etwas dröhnig, aber darunter finde ich ihn erstaunlich ruhig. Zumindest ist mir nach ein paar Tagen Beta-Fahren der Punto ab 95 km/h immer zu laut. Na gut, der ist eineinhalb Nummern kleiner, aber dafür entwicklungsgeschichtlich zwei Jahrzehnte neuer !

Betrachtungen zu den Motorvarianten

Im Laufe der Jahre sind im Beta HPE folgende Motoren verbaut worden (US-Varianten nicht berücksichtigt)
 
 

Hubraum Leistung
1592 100 PS
1756 110 PS
1995 115 PS
1995 119 PS
1995 (IE) 122 PS
1995 (VX) 135 PS

Die Liste sind lang aus, die Auswahl scheint in Hinblick auf den Erwerb eines HPE schwierig. Doch in der Praxis reduziert sich die Auswahl auf die letzten beiden Varianten, da es fast keine Exemplare vom HPE mehr gibt, die mit den etwas schwächeren Motoren versehen sind.
Ursprünglich wollte ich nämlich den Wagen mit der 1600er Maschine haben. Damit wäre der Wagen auch ausreichen motorisiert und die KFZ-Steuer wäre günstiger. Davon gibt es aber nur noch ganze vier zugelassene Exemplare, d.h. es wurde auch nirgends in Deutschland ein 1600er angeboten.
Beim IE dachte ich mir, daß da eigentlich mit der elektronischen Einspritzanlage zuviel moderne Technik für einen Youngtimer drinsteckt. Die Zündanlage dazu ist genauso elektronisch und Kennfeldgesteuert wie bei meinem Alltagsauto. Das ganze weicht also schon ziemlich stark von dem ab, was ich mal in Physik 10. Klasse zum Thema Zündung und Gemischbildung beim Viertakt-Ottomotor gehört hatte. Zugegeben, beim Punto hat das Elektronikgedöhns bisher auch ausgezeichnet funktioniert, und das alles ohne die lästigen Probleme, die die Vergasermaschinen meiner früheren Autos im kalten Zustand mit sich brachten. Dafür aber bekommt man so einen Vergasermotor grundsätzlich immer zum laufen, egal wie bescheiden er auch laufen mag, er läuft jedenfalls, während  man bei Fehlfunktionen der elektronischen Zündung und Einspritzung eigentlich nur doof aus der Wäsche gucken und den ADAC rufen kann.
Der VX hingegen hat nicht nur wieder einen Vergaser, sondern um auf die 135 PS zu kommen diesen Volumexkompressor. Das ist technisch eine interessante Sache. Man hat da so einen mechanischen Kompressor, der im Gegensatz zu einem Abgasturbolader über einen Keilriemen direkt vom Motor angetrieben wird und im Gegensatz zum herkömmlichen Turbo schon bei niedrigen Drehzahlen für Aufladung und reichlich Drehmoment sorgt - ein Verfahren, was heutzutage bei Mercedes wieder angewandt wird. Nachteil an der Sache ist neben einem satten Verbrauch, der bei intensiver Ausnutzung der Fahrleistung bis zu 17 Liter pro 100 km erreichen kann, der Tatbestand, daß man eben nicht nur den Kompressor an seltenen Bauteilen hat, deren Ersatz Probleme bereiten kann, sondern daß auch viele Motorteile deutlich anders beschaffen sind, als die übrigen Varianten, obwohl der Motor von außen nicht anders aussieht, als die schwächeren Kameraden. Man muß bedenken, daß, obwohl relativ viele überlebt haben, doch insgesamt nur eine geringer Prozentsatz der Betas mit dem Volumex ausgestattet wurden und es außer dem Beta nur noch die Modelle Fiat Argenta und 124 Spider mit diesem System gibt, wo auch nur relativ geringe Stückzahlen mit dieser Motorvariante gebaut wurden.
So bin ich dann doch wieder beim Einspritzer gelandet, denn da kommt beim Tanken mit einem blauen Auge davon. Weiterhin stammen die Teile der Einspritzung von Bosch und sind damals bei allen ähnlich motorisierten Autos aller Marken zum Einsatz gekommen. Da braucht man sicher nicht mit zu rechnen, daß eine Ersatzbeschaffung ein ernstes Problem darstellen könnte. Für diejenigen, die so einen Wagen ganzjährig fahren wollen, ist steuerlich auch eine KAT-Nachrüstung nicht uninteressant, die bei dem Einspritzer am günstigsten ist, da die unvermeidliche Elektronik für die Lambdaregelung mit dem Einspritzsteuergerät bereits vorhanden ist. Fazit ist also, auch wenn der Sound hier wohl am unspektakulärsten ist, daß der IE die sinnvollste Motorvariante ist.