Auch dieses merkwürdige Fahrzeug
hatten mein Bruder und ich mal als Mietwagen, und zwar in Australien. Dort
gibt es prinzipiell auch italienische Autos zu kaufen, z. Zt. im wesentlichen
Alfa (es gibt dort mehr Alfa 156 als Golf IV), doch sind diese bei Mietwagenfirmen
kaum vertreten. Dort gibt es in den billigen Kategorien meist irgendwelche
Japaner und in den besseren Kategorien große Ford und Holden
(=Opel).
Und so sind wir mal wieder an ein
No-Name-Auto geraten, das es zumindest mit genau dieser Ausstattung meines
Wissens in Europa zum Glück nicht gibt. Dieses war 4,29 Meter lang,
hatte 5 Türen, 2 Airbags, Klimaanlage, Automatikgetriebe und einige
lustige Kontrollampen, die dem Fahrer u.a. anzeigen, wenn man vergessen
hat die Türen zu schließen.
Genau diese Leuchten fingen bald an, uns auf die Nerven zu fallen, da irgendwo in den Schließkontakten der hinteren Türen oder der Kofferraumklappe der Wurm drin war. Denn nach Gebrauch dieser Türen und ihrer anschließenden ordnungsgemäßen Schließung leuchtete die betreffende Kontolleuchte dennoch auf und unterstellte dem Fahrer damit, daß irgendwo angeblich eine oder mehrere Türen nicht ganz geschlossen wären, was ja nun eben nicht den Tatsachen entsprach. Die Lösung des Problems war einfach, aber unelegant. Man mußte dann sämtlich Türen erneut öffnen und so kräfitg zuknallen, daß sämtliche Anwohner aus ihrem Mittagsschläfchen erwachten. Dann erst hatte die Elektrik endlich verstanden, daß alle Türen zu waren, und die betreffende Kontrollampe erlosch endlich. Ich meine, unter solchen Umständen wäre doch besser, auf derartige Ausstattungsdetails, die den Fahrer zu bevormunden versuchen, ganz zu verzichten.
Das Platzangebot entspricht nicht so ganz dem, was die Außenmaße vermuten lassen. Der Kofferraum ist mit ca. 400 Litern noch recht gut. Der Innenraum jedoch bietet nur die Beinfreiheit, die man sonst von klassischen Kleinwagen kennt. Selbst auf dem Beifahrersitz war es mir (1,80 m) nicht möglich, meine Beine ganz durchzustrecken, wenn der Sitz schon so weit hinten war wie es ging. Gleichzeitig war das Platzangebot im Fond in dieser Sitzposition schon so knapp bemessen, daß dort nicht einmal mehr die japanischen Konstrukteure dort erträglich hätten sitzen können, sondern bestenfalls deren halbwüchsige Nachkommen. Damit ist der Wagen auf Langstreckenfahrten nur für max. 2 Personen geeignet.
Das Design dieses Modells ist natürlich
auch nicht preisverdächtig. Die Karosserie ist nicht schön, aber
leider dort auch nicht selten, ganz im Gegenteil, wobei es schien, daß
speziell Avis Australia dieses Modell gleich 10000-fach erworben hat, sogar
in der gleichen Farbe, wie dort generell sich die Farbe weiß bei
Autos einer großen Beliebtheit erfreut, während sie in Deutschland
z. Zt. mega-out ist. Nun ja, die Karosserie sieht eigentlich so aus, wie
man es von einem japanischen Kompaktwagen nicht anders erwartet. Natürlich
machen die Rundungen alles schön unübersichtlich, und rückwärts
Einparken macht keinen Spaß.
Eine optische Katastrophe stellt
aber der Innenraum dar. Hier ist alles grau : das Amaturenbrett, die Seitenverkleidungen,
die Sitzbezüge, sogar die Fußmatten sind grau, die beim Nissan
Tsuru immerhin noch schwarz sind. Beim Corolla ist einzig das Cassettenradio
schwarz, doch wirkt dies wie ein Irrtum, für den der Verantwortliche
bei Toyota bestimmt gekündigt wurde. Ansonsten scheint das Motto zu
gelten: "Es geht nichts über eine freundliches, helles Mausgrau."
Der Bereich Motor/Getriebe ist ein
ganz besonderer Fall. Die oberflächlichen Motordaten lesen sich zunächst
mal nicht schlecht : 1,8 Liter mit 115 PS, das klingt bei einem Kompaktwagen
zunächst mal recht stattlich. Einen flotten Ampelstart bekommt man
dann auch durchaus noch hin. Doch die Elastizität des Motors läßt
sehr zu wünschen übrig. Bei Überholmanövern kommen
effektiv nur Leistungen heraus, wie man sie von 50 PS starken Kleinwagen
kennt. Nach näherer Recherche der technischen Daten findet man auch
schnell den Grund, nämlich das Drehmoment. Dessen Maximum von 148
NM wäre prinzipiell ja kein Grund zur Klage, doch liegt dieses Maximum
erst bei 4800 U/min an, wobei weder wesentlich darunter noch darüber
besondersviel davon vorhanden ist. Nun könnte man ja vielleicht so
fahren und schalten, daß der Motor bei Überholvorgängen
eben zwischen 4200 und 5200 U/min dreht, doch hatten dieses Modell ja ein
Automatikgetriebe, das den Fahrer genau daran nämlich hindert.
Es handelt sich dabei um ein gewöhnliches
Viergang-(3 Gänge plus Overdrive)-Automatikgetriebe mit Drehmomentwandler,
daß wie so häufig bei Automatikgetrieben insgesamt sehr lang
übersetzt ist zwecks Benzinsparen. Eigentlich ist der größte
Gang zu lang übersetzt, denn schon bei kleinen Steigungen fängt
der Wagen an zu schwächeln, man muß schon deutlich mehr Gaß
geben, was das Getriebe zum runterschalten veranlaßt. Bei längerer
hügeliger Strecke empfiehlt es sich, diesen Overdrive abzuschalten
(wenigstens das geht), denn das sonst folgende dauernde automatische Hin-
und Herschalten nervt einfach nur. Nervig dabei ist, daß das Schalten
nicht so wirklich ruckfrei vonstatten geht, woran die recht enormen Drehzahlsprünge
von bis zu 1800 U/min zwischen den Gängen nicht ganz unschuldig sind.
Ein gewöhnlicher Überholvorgang
läuft oft ab wie folgt : man möchte sich des Anblick auf den
vorausfahrenden LKW entledigen und tritt bei knapp unter 100 km/h etwas
kräftiger aufs Gas. Das Getriebe schaltet einen Gang runter, die Drehzahl
steigt von ca. 2500 U/min auf ca. 4000 und steigt gemächlich weiter
mit zunehmender Geschwindigkeit und kommt in den Bereich, wo ernstkraft
so etwas wie Kraft vorhanden ist. Natürlich will man so ein
Überholmanöver ja nicht ewig in die Länge ziehen und tritt
nun das Gaspedal fast oder ganz durch. Jetzt wäre ja alles in Ordnung,
wenn das Automatikgetriebe nicht daherkäme und noch einen Gang herunterschalten
würde. Danach liegt die Motordrehzahl so im Bereich von 5800 bis 6000
U/min, wo das Drehmoment wieder in den Keller sackt, der Motor laut und
durstig wird, aber nicht den Effekt bringt, den man mit dem Druck aufs
Gaspedal erreichen möchte.
Hier wird mal wieder deutlich,
wie wenig doch einige wenige Eckdaten eines Motors allein an Aussagewert
über die zu erwartenden Fahrleistungen eines Autos haben, zumal hier
der Motor und die Getriebeabstimmung überhaupt nicht zusammenpassen.
Ein paar positive Bemerkungen gibt es schon noch : das Fahrwerk ist recht komfortabel, man wird selten unangennehm durcheschüttelt, die Geräuschentwicklung im Innenraum ist recht niedrig und der Verbrauch stellt für so einen Motor auch keinen Grund zum Meckern dar, wobei man natürlich auch immer daran denken muß, daß man die volle Kraft des Motors nie auf die Straße bekommt.
Zusammenfassung :
- unspektakuläres rundes modernes
Karosseriedesign, das die Karosserie unübersichtlich macht; freilich
gibt es heutzutage in dieser Disziplin wesentlich schlimmere Fahrzeuge
--- gräßliche fast 100%ig
in grau gehaltene Innenausstattung, bei schlechter Grundstimmung der Insassen
eigentlich unerträglich
--- ungünstiger Drehmomentverlauf
mit dazu absolut nicht passender Getriebeabstimmung lassen nie und nimmer
die 115 angegebenen PS vermuten
- Platzangebot (zu geringe Beinfreiheit)
o Ausstattung eigentlich i.O.,
aber Bevormundungseinrichtungen wie die Türschließkontrolleuchten
sollten man sich lieber sparen
+ Verbauch
+ Fahrkomfort
+ relativ geringer Anschaffungspreis
von 20000 Aussie-Dollar (= z.Zt. ca. 11000,- Euro)
Technische Daten :
| Länge | 429 cm |
| Breite | 169 cm |
| Höhe | ca 140 cm |
| Hubraum | 1,8 Liter |
| Leistung | 115 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | Werk sagt nichts, Ausfahren ist schwierig in Australien |
| Elastizität | bescheiden |
| Verbrauch | 6,3 - 7,6 Liter auf 100 km |
| Tankinhalt | ca 48 Liter |
| Kofferraumvolumen | ca 400 Liter |
Fazit : der Bereich Motor/Getriebe
legt den Verdacht nahe, daß man bei Toyota einige prinzipielle Dinge
beim Automobilbau nicht verstanden hat. Hierfür hat sich Toyota für
das Jahr 2001 die goldenen Zitrone verdient. Sei sie hiermit verliehen.
Außerdem versteht man, warum
beim Toyota-Formel-I-Team nichts außer dem Namen von Toyota stammt.
Wenn man sich aber gerade nicht über die für 115 PS effektisch
schlechten Fahrleistungen aufregt, ist dies eine unheimlich langweiliger
Wagen - ein graues Auto für die graue Masse. Als wir auf einem Woolworth-Parkplatz
diesen Alfasud Sprint sahen, wünschten wir uns, die Reise in ihm
fortsetzen
zu können, auch wenn er keine
Klimaanlage hat. Echte Motorleistung und die im Vergleich zu unserem Toyota
unglaubliche fantastische Optik hätten dieses kleine Manko 10
mal wieder wettgemacht
Angesichts des günstigen Anschaffungspreises
des Corolla kann man jedoch trotz seiner weiten Verbreitung dort den Australiern
keinen prinzipiell schlechten Geschmack unterstellen, da stilvolle Wagen
(wie z.B. von Alfa Romeo) dort von sehr weit her importiert werden müssen
und damit dann gleich 7000, -Euro mehr kosten, während es für
Toyota und andere asiatische Fabrikate Montagewerke auf dem 5. Kontinent
gibt.
Ansonsten muß man noch daran
denken, daß so ein Corolla ja als sehr zuverlässig gilt, aber
... das ist ja schön, daß man mit dem Auto wahrscheinlich nie
Ärger haben wird, noch weniger allerdings wird man mit ihm Freude
haben. "Nichts ist unmöglich - Toyota !" Dieser Werbeslogan gewinnt
eine andere Bedeutung, als Toyotas Marketing-Strategen sich das gedacht
haben.